Mythos & Geschichte

Der Werdegang von IPA zum weltweiten #1 Craft Beer

Es gibt Biere, die auf dieser Welt sind, weil jemand auf die Idee kam, eine bestimmte Kombination an Zutaten in einen Bottich zu werfen und daraus ein leckeres Ergebnis zu zaubern. Dann gibt es andere Biere, die für einen bestimmten Zweck erschaffen wurden. Und die diesen so gut erfüllten, dass sie sich auch heute, fernab des ursprünglichen Zweckes, nur aufgrund ihres besonderen Aromas, noch großer Beliebtheit erfreuen.

Bierglas mit goldenem Bier auf einem Tisch
StartBierEntdeckenDie Geschichte von IPA

England und seine Biere

Kein Land auf der Welt hat eine so große Tradition obergäriger Biere wie England bzw. das Vereinigte Königreich. Zwar sind viele Lagerbiere auf der Insel erhältlich, jedoch werden diese nicht von einheimischen Brauereien gebraut, sondern nahezu ausschließlich von internationalen Brauereien, wie etwa Carlsberg (Dänemark), Amstel (Niederlanden), Heineken (Niederlanden), Foster’s (Australien) oder 1664 (Frankreich).
Obergäriges Ale ist das Steckenpferd der britischen Brauereien und zugleich die Basis der Pub-Tradition mit den ikonisch langen Reihen diverser Zapfhähne und den dazugehörigen Logos der Brauereien. Und so sind die Länder der Britischen Inseln so ziemlich die einzigen, in denen sich die klassischen Ales gegen die weltweit bevorzugten hellen Lagerbiere durchsetzen können.
Die Geschichte des Bieres in Großbritannien geht bis ins Jahr 90 n. Chr. zurück. Kein Wunder also, dass die Briten ihr Bier und dessen Tradition lieben und sich an der Besonderheit ihres Ales erfreuen.
Englischer Pub

Das Problem mit dem Bier und der Kolonialisierung

Genau in dieser Liebe zum Bier lag vor einigen Jahrhunderten die Crux: Im 17. Jahrhundert entdeckten die Briten die Kolonialisierung für sich und entschieden, auf entfernten Kontinenten der Welt Kriege zu führen, um das eigene Königreich zu vergrößern. So erzwang man Kolonien in Amerika, Asien, Australien und Afrika. Der Seeweg zu den fernen Gebieten dauerte mitunter Wochen oder gar Monate. Wohingegen das traditionell gebraute obergärige Ale sich in Fässern nur relativ kurz lagern ließ. Schließlich gab es zur damaligen Zeit keine Kühlgeräte, die zur längeren Lagerfähigkeit hätten beitragen können.
So entstand, zumindest aus Sicht der britischen Kolonialsoldaten, eines der größten Probleme der damaligen Zeit: Wie können britische Soldaten Kriege auf entfernten Kontinenten führen und trotzdem ausreichend Bier trinken?

Ein neues Bier muss her – Die Geburt des India Pale Ale

Es dauerte nicht lange, bis sich auch die Brauereien in Großbritannien des Problems bewusst waren. Und so galt es einen Weg zu finden, das klassische Ale haltbarer zu machen. In England gebrautes Bier musste in den Fässern so lange lagern können, bis es die Kolonien erreichte und verzehrt werden konnte. Die bisherigen Standards, nach denen das Bier verdorben war, bevor man um Afrika herum segelte, reichten schlichtweg nicht mehr aus.
Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte die Bow Brewery in London ein sogenanntes Oktoberbier, das sie in einer Monopolstellung nach Indien verkaufte. Als diese Monopolstellung um das Jahr 1830 zu bröckeln begann, kamen andere Brauereien auf die Idee, den indischen Markt mit passenden Bieren zu versorgen. So kommt es dazu, dass im Jahr 1930 erstmals die Bezeichnung „India Pale Ale“ dokumentiert wurde, entstanden als eine Ableitung des Oktoberbiers der Bow Brewery.

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Das Geheimnis des IPA

Veerschwommener Hintergrund umrahmt eine offene Hand, die kleine grüne Blüten hält
Was genau macht das India Pale Ale so besonders? Die lange Haltbarkeit. Wie diese erreicht wird, blieb nicht lange ein Geheimnis. Zahlreiche Brauereien in Burton begannen, India Pale Ale zu brauen und an die indischen Kolonien zu liefern. Und da es sich einfach sehr gut vermarkten ließ, wenn ein Bier lang genug haltbar war, um den Seeweg nach Indien zu meistern, wurde das IPA mit der Zeit auch auf dem nationalen Markt zum Hit. 
Im ursprünglichen Sinne ist ein Ale, so bezeichnet man die Oberkategorie der obergärigen Biere, ein Bier, das ohne den Einsatz von Hopfen gebraut wurde. Erst im 16. Jahrhundert kam auch im Ale der Hopfen zum Einsatz. Umso erstaunlicher, dass sich das India Pale Ale ganz klar über eine intensive Hopfennote definiert. Der Grund dafür ist eine entscheidende Eigenschaft, die für das Koloniebier von großer Bedeutung war: Hopfen wirkt antibakteriell. Diese antibakterielle Wirkung des Hopfens führt dazu, dass das Bier langsamer schlecht wird. Kein Wunder also, dass man dem India Pale Ale eine gehörige Portion dieser Zutat einflößte.
Zudem wurde das IPA mit einem hohen Alkoholgehalt von 8 bis 9 % gebraut. Je höher der Alkoholgehalt in einem Bier, desto mehr Keime werden abgetötet. Was ebenfalls einen positiven Effekt auf die Haltbarkeit des Gebräus hat. In der Summe gelang es den Brauern so, das India Pale Ale für den vorgesehenen Gebrauch haltbar zu machen. Vor Ort sollte das Bier dann mit Wasser gemischt werden, um den hohen Alkoholgehalt auszugleichen. Ob die königlichen Soldaten dem Plan nachgekommen sind, ist jedoch ungewiss.

Wie ein IPA gebraut wird

Im Grunde wird ein India Pale Ale wie ein normales Bier gebraut. Einziger, jedoch entscheidender Unterschied ist die doppelte Hopfung. Im Anschluss an den Gärprozess wird dem Sud erneut Hopfen hinzugefügt. Daher spricht man bei einem IPA von doppelt gehopftem Bier. Der zugefügte Hopfen ist getrocknet, weshalb der Prozess im Englischen als dry hopped bezeichnet wird.
Was heute aus aromatischen Gründen gemacht wird, wurde in der damaligen Zeit rein zum Zwecke der längeren Haltbarkeit durchgeführt. Das starke Hopfenaroma, das durch das Doppelthopfen entsteht, war lediglich ein positiver Nebeneffekt.
Für diejenigen, die beim Lesen des Artikels immer IndiaN Pale Ale gelesen haben – Kleine Eselsbrücke: Das Bier ist nicht indisch (Indian), sondern für die Soldaten in Indien (India) gebraut. IndiA Pale Ale.
Carsten Konsens
feinkosten Bierressort
Bier Tablett

Unser Fazit

Die Wiedergeburt des India Pale Ale

Der Siegeszug der von Carl von Linde im Jahr 1873 entwickelten Kältemaschine veränderte auch die Welt der Biere. Untergärige Biere, die kühle Temperaturen bei Gärung und Lagerung brauchen, wurden immer beliebter und verbreiteter. Das India Pale Ale geriet immer mehr in Vergessenheit und verschwand in Folge zweier Weltkriege nahezu vollständig von den Theken dieser Welt. Erst Ende des 20. Jahrhunderts feierte das IPA sein Comeback. Die amerikanische Craft-Beer-Szene hatte das intensive Hopfenbier für sich entdeckt und ließ es neu aufleben. Es dauerte nicht lange, bis die Craft-Beer-Welle auch nach Europa überschwappte und so das IPA auch wieder in unsere Kühlschränke brachte. 
Bier Tablett
Heute steht ein IPA stellvertretend für die Vielfältigkeit der Craft-Beer-Bewegung und begeistert Bierliebhaber der ganzen Welt mit oft fruchtigen und frischen Noten, die das intensive Hopfenaroma des Bieres unterstreichen. Die Haltbarkeit und der Transportweg spielen dabei keine Rolle mehr.

Brauereien mit IPA im Sortiment

Kurz gesagt

Der Brite zieht in den Krieg, um sich indische Kolonien anzueignen und merkt unterwegs, dass sein geliebtes Bier schlecht wird, bevor er es in Indien im Glas hat. Klassisches First World Problem, das man im Auftrag ihrer Majestät mit einer neuen Biersorte lösen kann: dem India Pale Ale, kurz IPA. Im Laufe der Zeit gerät die Bierspezialität in Vergessenheit und wird von der amerikanischen Craft-Beer-Szene wiederentdeckt. Hopfen sei Dank!

Carsten Konsen
Carsten Konsen
feinkosten Redakteur
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